Was sind Heuristiken?

Wenn man sich für die Psychologie des Menschen interessiert, wird man sehr schnell auf den Begriff Heuristiken treffen. Heuristiken sind Faustregeln, die Menschen im alltäglichen Leben gebrauchen. Sie sind Segen und Fluch zugleich. Einerseits helfen uns diese Regeln unsere Umwelt leichter zu verstehen und zu verarbeiten. Andererseits führen Heuristiken auch dazu, dass man suboptimale Rückschlüsse zieht.

Was sind also genau Heuristiken? Eigentlich handelt es sich um Regeln, die wir unbewusst in unserem Denken anwenden. Dadurch, dass wir sie gebrauchen, können wir Denkaufgaben nach Schema F lösen und müssen nicht jedes Mal von neuen eine Lösung für wiederkehrende Probleme suchen. Unser Denken und Handeln funktioniert also schneller, weil wir  quasi eine vorgefertigte Regel anwenden. Diese Regeln haben sich durch unsere Erfahrungen geformt und funktionieren sicherlich oft. Leider aber nicht immer…

Welche Heuristiken gibt es? Die drei wichtigsten Heusristiken sind die Repräsentativitätsheuristik, die Verfügbarkeitsheuristik und die Ankerheuristik.

Die Repräsentativitätsheurstik: Menschen tendieren dazu ihre Umwelt in Kategorien einzuordnen. Dies ist durchaus sinnvoll, denn es macht unser Denken effektiver. Um in eine Kategorie eingeordnet zu werden muss das Zielobjekt einige Kriterien erfüllen. Diese Kriterien sind Prototype Merkmale für die Kategorie. So muss ein Tier 4 Beine und einen Schwanz haben und zudem noch bellen um als Hund kategorisiert zu werden. 4 Beine und ein Schwanz hätte schon als Kriterien  gereicht um das Objekt in die Kategorie Tier einzuordnen. In unserem alltäglichen Leben kategorisieren wir Menschen in Unterkategorien. Sehen wir bunte Haare und zerissene Jeans mit geschnürten Lederstiefel, so denken wir an Punks und die linke Szene. Sehen wir einen Anzug und polierte Lederschuhe, so denken wir eher an einen Bankangestellten als an einen Hundetrainer usw. Diese Zuordnungen mögen in den meisten Fällen stimmen, jedoch sind sie trotzdem nur eine Verkürzung der Realität und man liegt nicht immer richtig. Das heißt also manche Zuordnungen werden fälschlicher Weise gemacht.

Die Verfügbarkeitsheuristik: Wir Menschen tendieren dazu Dinge zu überwerten, die uns leicht einfallen. Was würdet ihr antworten, wenn ich euch frage ob es mehr Wörter mit dem Buchstaben am Anfang oder mehr Wörter mit einem in der Mitte gibt? Die meisten würden wahrscheinlich nach kurzem Nachdenken vermuten, dass es mehr Wörter mit einem am Anfang des Wortes gibt. Dies kommt dadurch, dass uns natürlich viel mehr Wörter einfallen, die mit anfangen als Wörter, die ein r in der Mitte stehen haben. Es ist viel einfacher Wörter mit r am Anfang zu benennen, weil das r an dieser Stelle offensichtlicher ist. Unser Rückschluss stimmt allerdings nicht. Wir sind Opfer unserer eigenen Faustregel geworden. Wir haben beim Nachdenken nicht bedacht, dass unsere Auswahl von Wörtern, die uns bei unserer Entscheidung helfen, nicht repräsentativ sein können, weil wir von vornherein selektiv denken.

 

Die dritte Heuristik ist die Ankerheuristik: Wenn Menschen etwas schätzen müssen orientieren sie sich an vorgegebenen Werten. So wird ein viel höheres Ergebnis geschätzt wenn diese Rechenaufgabe gegeben wird:

10 x 9 x 8 x 7 x 6 x 5 x 4 x 3 x 2 x 1 = ?

als bei dieser Rechenaufgabe:

1 x 2 x 3 x 4 x 5 x 6 x 7 x 8 x 9 x 10 = ?

Wahrscheinlich hört man bei einem bestimmten Punkt auf zu rechnen und probiert das Ergebnis zu schätzen. Da zu diesem Zeitpunkt der Anker bei der ersten Aufagabe höher ist als bei der zweiten, wird das Ergbnis dort höher geschätzt. Wir orientieren uns an dem Anker und weichen nicht mehr stark nach unten oder oben ab. Diesen Anker legt man auch bei Verhandlungen, bei denen der Wert des Zielobjekts nicht hundert prozentig sicher ist. Zudem wird ein Anker gebraucht, wenn man Höhen oder Weiten schätzen soll und jemand anderes vor uns einen Versuch startet dies zu tun. Seine Schätzung wird unser Anker.

 

Dies waren die 3 bekanntesten Heuristiken. Auch bei diesem Thema gilt, dass Heuristiken durchaus sinnvoll sind und uns im alltäglichen Leben helfen. Dennoch kann es gut sein, sich bewusst zu machen, dass man sie benutzt um in manchen Situationen falsche Rückschlüsse zu vermeiden.

 

Be first to comment