Was ist Reziprozität

Warum man nicht jeden Gefallen annehmen sollte…

Jeder von uns hat schon einmal eine kleine Aufmerksamkeit oder Hilfe eines anderen angenommen. Oftmals nehmen wir diese oft unerwarteten Gefallen dankend an. Im ersten Moment kann man daran auch nichts Negatives festmachen. Hilfsbereitschaft ist ein Wert, der von vielen hoch geschätzt wird. Wir helfen anderen und andere helfen uns…

Das Gefährliche beim Annehmen von Gefallen ist jedoch, dass man sich automatisch in eine psychologische Abhängigkeit stürzt. Wir sind unserem Gegenüber etwas schuldig, wenn wir etwas Uneigennütziges annehmen. Diese Schuld gilt es durch Gefallen gleichwertiger Größen auszugleichen. Dies geschieht, wie so oft, nicht notwendigerweise bewusst. Auch auf unbewusstem Niveau fühlen wir uns unwohl, wenn wir in der Schuld anderer stehen.

Natürlich ist der Gedanke, dass alle sich gegenseitig helfen, nicht notwendigerweise schlecht, jedoch können wir uns oft nicht aussuchen, wer uns einen Gefallen tut. Folglich können wir nicht bestimmen von wem wir uns psychologisch abhängig machen.

So kann ein vermeindlich kostenloses, gut gemeintes Geschenk eines Wohltätigkeitsvereins dazu führen, dass wir uns verpflichtete fühlen unsere Schuld mit einer Spende auszugleichen. Wissenschaftler untersuchten dies unter anderem indem sie Fragebögen an zwei verschiedende Gruppen schickten. Der einen Gruppe wurde versprochen, dass man 5 Euro für die Teilnahme erhält, wenn der Fragebogen ausgefüllt zurückgeschickt würde. Der anderen Gruppe wurden direkt 5 Euro in dem Anschschreiben mitgeschickt. Diejenigen, die direkt 5 Euro erhielten, schickten den ausgefüllten Fragebogen öfter zurück, als die Gruppe, die erst den Frägebogen hätte ausfüllen müssen, bevor sie die Belohnung bekommen hätten. Dieses Verhalten beruht auf der Macht der Gegenseitigkeit .

Von gedankenlosen Annahmen von Gefallen ist also abzuraten. Selbst ein selbstloser Gefallen seines Gegenübers gilt es für unsere Psyche auszugleichen. Das ist Reziprozität: das Gesetz der Gegenseitigkeit.

2 Comments

  • Reply September 19, 2013

    Katja

    Ich denke, es ist vor allem wichtig, sich dieser Rezipozität bewußt zu sein. Dann kann ich mich auch bewußt dafür entscheiden, ob ich einen Gefallen annehmen will und ob ich mich in einen “Schuldkreislauf” begeben will oder auch ob ich mich trotz Gefallen davon frei machen kann – und einfach einmal annehmen kann.

    • Reply September 19, 2013

      Diana

      Liebe Katja,
      du hast Recht: indem wir uns den Prozess der Reziprozität bewusst machen, entkräften wir seine Auswirkungen. Vielen Dank für deinen Kommentar!

Leave a Reply