Was ist kognitive Dissonanz

Der Mensch strebt nach Harmonie und versucht negative Spannungen zu vermeiden. Im Idealfall steht unser Denken nicht mit unserem Tun im Widerspruch. Am liebsten tun wir Dinge, die wir gut finden, sagen Dinge, die wir vertreten können und behandeln Menschen so, wie wir es für richtig halten. Allerdings weiß jeder, dass die Harmonie nicht immer so perfekt ist. Wir kaufen Dinge, die wir später nicht mehr mögen, handeln unter Druck entgegen unserer moralischen Werte oder sagen unbedacht Dinge, die wir nicht so meinen.

Durch solche Situationen entstehen Spannungen in uns selbst, denn genau das ist das Ungleichgewicht, das wir vermeiden wollen, nämlich die kognitive Dissonanz. Diese Spannung wirkt unangnehm auf den Menschen und man will sie ausgleichen. Um die Spannung auszugleichen gibt es unterschiedliche Methoden. Zum einen kann man sein Tun dem Denken anpassen, aber es klappt auch andersherum.

An dieser Stelle wird es mal wieder interessant, denn unsere Psyche schafft es auch unser Denken dem Tun anzupassen, ohne dass wir es bewusst bemerken. So gelingt es unserer Psyche uns selbst einzureden, dass das Kleid doch ganz schick ist, das wir für einen völlig überteuerten Preis im Shoppingrausch erworben haben. Unsere Psyche redet uns auch ein, dass wir Spaß an etwas haben, dass wir normalerweise tot langweilig finden würden. Genau das zeigt ein Experiment. Die Probanden der Studie waren in zwei unterschiedlichen Gruppen, aber mussten alle die gleiche, lange und auch unglaublich langweilige Aufgabe erfüllen. Die eine Gruppe bekam 1 Euro für die Teilnahme und die ander 25 Euro. Danach wurden die Probanden gefragt wie gerne sie die Aufgabe erfüllt haben. Diejenigen, die 25 Euro bekamen, gaben zu Recht an, dass sie die Aufgabe überhaupt nicht mochten. Die Gruppe, die lediglich 1 Euro bekam, gab hingegen an, dass die Aufgabe durchaus amüsant und angenehm war.

Dieser Unterschied ist auf den ersten Blick paradox, denn die Aufgabe unterschied sich nicht zwischen den Gruppen, der einzige Unterschied war die Entlohnung. Wieso entstehen trotzdem unterschiedliche Bewertungen? Das kommt daher, dass die Gruppe, die 25 Euro für ihre Teilnahme bekam einen guten Grund wussste warum sie die Aufgabe durchgezogen haben: nämlich das Geld. Die andere Gruppe hingegen hatte diese Ausrede nicht. Sie mussten dennoch vor sich selbst rechtfertigen warum sie die Aufgabe erfüllten. Sie konnten nachdem die Aufgabe zuende war nichts mehr an ihrem Handeln ändern. Dennoch mussten sie vor sich selbst rechtfertigen warum sie eine unglaubliche langweilige Aufgabe für einen Euro absolvierten. Am Geld kann es ja nicht gelegen haben… Was sie taten entspricht einer Methode unserer Psyche mit kognitiver Dissonanz umzugehen: Sie passten ihr Denken an. Ohne es zu bemerken rechtfertigten sie ihr Tun also mit Spaß an der Sache. Damit ist der Widerspruch zwischen Präferenz und Handlung ausgemerzt. Wenn wir ehrlich sind, passieren solche Ausreden durchaus oft in der Realität. Ich erinner mich an viele Situationen, die ich nur mühevoll durchgestanden habe. Wie zum Beispiel ein Fließbandjob in jungen Jahren- dennoch sage ich mir nun: So schlimm war es ja auch eigentlich nicht…

Unsere Psyche verhilft uns also zu mehr Wohlergehen durch Methoden, die die kognitive Dissonanz ausgleichen.

Be first to comment