Was ist die selbstwertdienliche Verzerrung

Wie wir unsere Umwelt wahrnehmen und beurteilen beeinflussen wir zum Teil selber. Wir sind keine Kamera, die ihre Umgebung passiv aufnimmt und Ereignisse genauso abspielt wie sie stattgefunden haben. Wir interpretieren auf Grund von Vorkenntnissen und eigenen Meinungen. Wenn wir in der Obstabteilung des Supermarkts sind und im Vorbeigehen etwas rundes, rotes, kleines auf der Erde sehen ist es wahrscheinlicher, dass wir glauben einen Apfel gesehen zu haben als einen Spielball. Sind wir allerdings in der Sportabteilung eines Kaufhauses, ist  es nicht wahrscheinlich, dass wir glauben einen Apfel zu sehen. Wir denken wahrscheinlich schneller an einen Ball.

So verzerren wir die Realität jeden Tag. Wir merken oftmals nicht ob wir richtig oder falsch liegen, da sich die Einordnung unserer Umgebung in Kategorien größtenteils unbewusst abspielt. Um die Richtigkeit prüfen zu können müssten wir uns bewusst auf das Objekt richten. Das würde viel Anstrengung kosten und hätte an sich keine größeren Vorteile. Wir würden unsere Energieressourcen verschwenden. Was wir hingegen meistens nicht einmal überprüfen könnten, selbst wenn wir das wollen würden, sind unsere Erinnerungen an die Vergangenheit.

Unsere Erinnerungen an die Vergangenheit sind nicht so akkurat wie wir es vermuten würden. Sogar unsere gegenwärtige Stimmung kann beeinflussen woran wir uns besser oder schlechter erinnern. Sind wir schlecht gelaunt, erinnern wir uns eher an die negativen Dinge unseres letzten Urlaubs, sind wir sehr gut gelaunt, erinnern wir uns an die guten Seiten unseres Urlaubs.

Das Prinzip lässt sich auf unser Selbstwertgefühl übertragen. Wir erleben im Laufe der Zeit Erfolge und Niederlagen. Die Verantwortung übernehmen wir allerdings lieber für unsere Erfolge:

Ich habe eine gute Note bekommen, weil ich viel gelernt habe.

als für unsere Niederlagen:

Der Test war zu schwierig, deshalb habe ich eine schlechte Note bekommen.

Wenn wir so argumentieren und den positiven Ereignissen interne Gründe zuschreiben, die auf uns selbst zurückzuführen sind, erhöht sich unser Selbstwertgefühl. Wenn wir den negativen Ereignissen externe Auslöser zuschreiben, über die wir keine Kontrolle habe, ist unser Selbstwertgefühl weniger in Gefahr. Das Konzept der selbstwertdienlichen Verzerrung beschützt also unser Selbstwertgefühl. Der Psyche sei Dank, denn manche Dinge wollen wir einfach nicht wissen.

 

Passend zum Thema:Ich denke, also irre ich: Wie unser Gehirn uns jeden Tag täuscht

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