Was ist das psychologische Immunsystem?

psychologische Immunsystem, Immunsystem, Wohlbefinden, Emotionen, Abwehrsystem, kognitive Strategien, Gesundheit, Psychologie, affectiv forecasting

Die zwei Immunsysteme

Das biologische Immunsystem schützt uns vor Erkrankungen und ist unerlässlich für unsere Gesundheit. Jeder weiß, dass es dieses Immunsystem gibt und jeder hat seine Strategien um es zu stärken. Wir kennen seine Bedeutung und schätzen es. Die meisten wissen hingegen nicht, dass es so etwas wie ein psychologisches Immunsystem gibt. Auch dieses Immunsystem beschützt uns vor Angriffen von außen. Die Angriffe, die es abwehrt, sind allerdings psychologischer Natur.

Affectiv forecasting- Wie stark werden wir betroffen sein?

Ein klassisches Beispiel ist, dass man seine Reaktion auf ein emotionales Ereignis überschätzt. So wird erwartet, dass man am Boden zerstört ist, falls der Partner die Beziehung abbrechen sollte. Dies wurde von Wissenschaftlern untersucht. Sie fragten nach der Einschätzung der Betroffenheit, die die Teilnehmer erwarteten, sollte der Partner eines Tages die Beziehung beenden. Dann warteten die Psychologen erstmal ab. Bei denjenigen, bei denen die Beziehung in die Brüche ging, wurde nachgefragt wie sie sich fühlten. Man fand heraus, dass sie sich nicht so schlecht fühlten, wie sie es erwartet hatten.

Das psychologische Immunsystem

Warum können wir unser Gefühlsleben nicht akkurat einschätzen? Warum überschätzen wir unsere Betroffenheit über eingreifende Ereignisse? Die Antwort gibt das psychologische Immunsystem. Es schwächt den Einfluss des negativen Ereignisses durch allerlei kognitive Mechanismen.  Um auf das Beispiel zurückzukommen: Wenn unser Partner  die Beziehung beendet, sind wir sicherlich traurig. Allerdings sorgt unser psychologisches Immunsystem dafür, dass uns plötzlich Dinge einfallen, die uns an unserem Partner nicht gefallen haben. Wir denken plötzlich nicht mehr an die positiven Dinge, die uns in der Beziehung gehalten haben. Hingegen rücken die negativen Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die uns immer ein wenig gestört haben in den Vordergrund. Da wir also unsere Aufmerksamkeit auf die negativen Aspekte richten, ist unsere emotionale Reaktion schwächer als erwartet.

Strategien des psychologischen Immunsystems

Zudem werden unsere Erinnerungen beeinflusst. Menschen sind keine passiven Wahrnehmer. Erinnerungen werden immer aktiv durch die Person und ihre Eigenschaften und Einstellungen beeinflusst. Welche Erinnerungen uns zur Verfügung stehen, ist variabel und hängt auch von der Situation ab. Das psychologische Immunsystem sorgt in unserem Beispiel auch dafür, dass wir uns besser an unangenehme Ereignisse erinnern, die wir mit unserem Partner hatten. Die schönen Erinnerungen, die im Falle einer Trennung schmerzlich seien können, rücken etwas in den Hintergrund.

Das psychologische Immunsystem hilft uns also unseren Status quo zu erhalten. Es hilft mit ein paar Tricks dabei sich von negativen Emotionen zu erholen. Es beschützt unser Wohlbefinden und das Selbstwertgefühl. Wir haben also einen unsichtbaren Helfer, der uns durch schwierige Zeiten begleitet…

1 Comment

  • Reply December 30, 2013

    Peter Reitz

    Ein schöner Artikel! Im Coaching arbeite ich oft mit dem oben bezeichneten “psych. Immunsystem”, wenn es um die Erwartung bzw. das Eintreffen von unangenehmen Ereignissen geht.

    Herzliche Grüße, peter reitz

Leave a Reply